Im Zusammenhang mit den Arbeiten am Ende letzten Jahres erschienenen Handbuch der Arbeitsgemeinschaft „Die Versuchsperioden der Gitterstempel (Typenräderstempel) der Deutschen Reichspost vom Dezember 1887 bis zum Juli 1890“ haben wir uns dort auf den Seiten 42 und 43 auch mit einem Versuchsstempel beschäftigt, der in der Datumszeile eine Besonderheit aufweist. Es ist der Stempel BERLIN, C. * 2 * mit der Gitterstrichkonfiguration 10/10, der bei einigen einstelligen Tagesdaten statt eines Anstrichs und der danach folgenden Tagesziffer, also z. B. „-1.“ ein hochgestelltes kleines, unterstrichenes „t“ hinter dem Tagesdatum aufweist.

In o. a. Handbuch hatte auf Seite 43 oben Erwähnung gefunden, dass es diese Besonderheit auch bei zwei anderen Stempeln gibt, nämlich bei CHEMNITZ * 1 d und bei DRESDEN-ALTST. * 1 q. Diese sind allerdings nicht abgebildet worden, weil beide Stempel erst mit Daten außerhalb der Versuchsperioden bekannt sind. Sie werden hier gezeigt.

Wie ist das kleine „t“ in die Stempel gekommen? Alle Datumswalzen hatten wegen der Monatsangabe 12 Stellen. Für die zweite Stelle des Tagesdatums wurden aber nur 10 Stellen benötigt, nämlich für die Ziffern von 0 bis 9, so dass es zwei Leerstellen gab. Eine von diesen war mit einem kleinen „t“ mit Unterstrich belegt. Ob dies bei allen Stempelgeräten der Fall war oder nur bei einem Teil, wissen wir nicht. Aber die Zahl der im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bei der Deutschen Reichspost in Gebrauch genommenen Gitterstempel wird auf bis zu 20.000 Stück geschätzt. Einen Großteil dieser Stempel haben wir inzwischen gesehen. Wenn es mehr als diese drei mit dem kleinen „t“ gegeben hätte, wären von uns nach jahrzehntelanger Sucharbeit wahrscheinlich weitere gefunden worden. Aber in der Stempelkunde gibt es immer wieder Überraschungen!

Manfred Wiegand wiegand.manfred@web.de