Die abgebildete Ansichts‐Postkarte trägt auf der Anschriftenseite neben der Frankatur den zweizeiligen Rahmenstempel „Mit dem Dampfer von / Rendsburg eingegangen.“ und befindet sich schon länger in meiner Sammlung, ohne dass ich mich näher damit beschäftigt hatte. 

Nachschlagen in „Meyers‐Konversations‐Lexikon“ von 1896 und in Richard Fricks Werk „Schiffspost im Nordsee‐ und Ostseeraum“ ergaben näheres. Weitere Informationen zum Bau des Kanals erfährt man unter anderem auf unserer Seite „Aktuell Nr. 46“. 

Die Karte wurde in Levensau einem Dampfer auf dem Kaiser‐Wilhelm‐Kanal übergeben. In Kiel bei der Anlandung des Dampfers erhielt sie oben genannten Rahmenstempel und wurde in KIEL Postamt 1 dem regulären Postverkehr zugeführt, wo auch die Frankatur mit dem damaligen üblichen Tagesstempel entwertet wurde.

In Levensau stand eines der spektakulären Bauten des Kaiser‐Wilhelm‐Kanales: Die Hochbrücke, welche auch auf der Ansichtsseite der Postkarte abgebildet ist. Da dieses Bauwerk schon immer Bewunderer und Touristen anzog, ist es nicht verwunderlich dass sich dort auch Restaurationen niederließen, um entsprechend an dem großen Erfolg des neuerbauten Kanals teilzuhaben.

Ein solches war auch die Gaststätte „Margarethenthal“, welche sich direkt am Fuße der Hochbrücke in Levensau befand. 

Dort wurden die Karten mit Ansichten des Kaiser‐Wilhelm‐Kanal und seiner Bauwerke verkauft, von den Gästen an Ihre Angehörigen geschrieben und von der im Margarethenthal eingerichteten Posthilfsstelle den Dampfern auf dem Kanal zur Weiterleitung übergeben. 

Dirk Schmietendorf