Nachdem im Jahr 1866 durch Einwirken des preußischen Staates die Lotterien der Städte Frankfurt und Hannover aufgehoben wurden, bescherte dies der von Preußen unabhängigen Hamburger Stadt-Lotterie eine stark gesteigerte Nachfrage.
Am 1.10.1874 wurde der am 20.9.1874 eröffneten Briefannahmestelle am Venloer (Hannoverschen) Bahnhof die Abfertigung der Lotterielosbriefe der Hamburger Stadt-Lotterie übertragen. Eine dort eingesetzte Hinrichsen-Stempelmaschine sowie Handstempel reichten für die Bearbeitung der anfallenden Massensendungen nicht aus. Statistiken belegen, dass allein im Jahr 1875 über 8,7 Millionen Lotterielosbriefe abgefertigt wurden. Zusätzlich wurden daher Handstempel verwendet.
Ende Dezember 1874 lösten die ersten Hufeisenstempel mit der Inschrift HAMBURG L.E. („Lotterielosbrief-Expedition“) dann die zuvor aushilfsweise verwendeten Stempel des Hauptpostamtes (HAMBURG I.A.) als zusätzliche Handstempel am Venloer Bahnhof ab.
Trotz der zuvor genannten Menge an aufgegebenen Massensendungen sind Abdrucke dieser Stempel, insbesondere auf Ganzstücken, selten zu finden. Da die Lotterielosbriefe Werbesendungen zum Erwerb von Losen der Stadtlotterie waren, wurden diese vom Adressaten entweder als Bestellung ausgefüllt und zurückgesendet oder bei Desinteresse vernichtet.

Mit Hufeisenstempel HAMBURG-L.E. (Hamburg 17-13) abgefertigtes Drucksachen-streifband mit Inhalt – Werbeschreiben des Lotterieeinnehmers Louis Wolff in Hamburg – nach Söderköping/Schweden. Das Porto von 8 Pfennig galt nur im 1. Halbjahr 1875 bis zum Beitritt Schwedens zum Weltpostverein.

Das Werbeschreiben zur Lotterielosbestellung wurde für die Adressaten in Schweden extra in ihrer Landessprache verfasst.

Außer diesem gezeigten Stück sind mir weitere vollständige Lotterielosbriefe mit komplettem Inhalt und Entwertung durch Hufeisenstempel der Hamburger Lotterielos-Expedition (HAMBURG L.E.) bisher nicht bekannt.
Sven Heise
