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Nachruf auf Dipl.-Ing. Gotwin Zenker * 30. April 1922 - † 6. Juni 2007 Einer der ganz großen und weithin bekannten Sammler und Prüfer der Freimarken des Deutschen Reiches 1875 bis 1923 hat uns verlassen. Am 6. Juni 2007 verstarb unser Ehrenmitglied Gotwin Zenker. Nur wenige Wochen nach seinem 85. Geburtstag wurde er von seiner langen und mit großer Geduld ertragenen schweren Krankheit erlöst. Gotwin Zenker war uns in erster Linie als Spezialist für die Sammelgebiete „Pfennige, Pfennig und Krone/Adler“ sowie „Germania“ und „Inflation“ bekannt, jedoch gingen sein Wissen und seine Sammelinteressen weit über diese Teilgebiete hinaus. Er hatte z. B. umfangreiche Sammlungen von Bayern und Norwegen. Die letztere Sammlung war eine der größten existierenden. Nur wenige werden wissen, daß er infolgedessen auch viele Jahre Prüfer für Norwegen im Verband Österreichischer Briefmarkenprüfer war. Die Sammelleidenschaft war ihm sozusagen in die Wiege gelegt worden. Bei einem seiner Besuche erzählte er mir, daß schon der Vater eifriger Sammler war. Am Sonntag nachmittag nach dem Kaffeetrinken war es Ritual, daß der Vater Briefmarkensammlungen hervorholte. Die drei Söhne scharten sich um den Schreibtisch, und der Vater zeigte und erklärte die Marken. Bei zweien der Söhne fiel der „Unterricht“ auf fruchtbaren Boden, nämlich bei Gotwin Zenker und seinem Bruder Gisbert, der später Prüfer für österreichische Briefmarken im Bund Philatelistischer Prüfer war. Auch Gotwin Zenker war Prüfer im Bund Philatelistischer Prüfer. Bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden im Jahre 1997 war er zuständig für Deutsches Reich Mi.-Nr. 31-52, Inflationsmarken und die Gebührenzettel für Eisenbahndienstpost Mi.-Nr. I und II. Die Prüfung der Germania-Marken hatte er schon einige Jahre vorher abgelegt. Er war stets ein forschender und hilfsbereiter Philatelist. Auf Vereins- und ArGe-Treffen hatte er immer ein Ohr für die Probleme der Sammler, auf Fragen hielt er mit seinem Wissen nicht zurück. Es gibt nicht viele dieser „Sorte“, aber wer ihn persönlich erlebt hat, wird bestätigen können, daß Gotwin Zenker zu der Spezies gehörte, über die man sagt, sie seien „Prüfer zum Anfassen“. Auch wer bei seinen vielen Dia-Vorträgen aufmerksam zuhörte, konnte sehr von den weitergegebenen Erkenntnissen profitieren. Einmal sagte er am Ende eines hochinteressanten Vortrages: „So, jetzt habe ich Euch alles gezeigt! Jetzt geht los und sucht’s.“ Über mehrere Jahrzehnte hinweg führte er Aufzeichnungen und Registraturen, die er wegen seiner Mehrfachbelastung durch Beruf, Vereinsarbeit und Prüfertätigkeit mit teilweise sehr hohem Prüfaufkommen erst verarbeiten konnte, als er die Prüftätigkeit eingestellt hatte. Nur wenn man weiß, welche Arbeit in einem kleinen Handbüchlein steckt, wird man seinen hauptsächlich in den letzten 10-12 Jahren seines Wirkens im Rahmen der INFLA-Bücherei erschienenen Veröffentlichungen den gebührenden Respekt zollen können. Für das Sammelgebiet der ArGe Krone/Adler e. V. seien hier nur die Bücher über die Zwei-Mark-Marke Mi.-Nr. 37, die Plattenkennzeichen 1872-1900 und die ungezähnten Marken genannt. Wesentliche Vorarbeiten, für die er ein Kontingent von ca. 400 Arbeitsstunden notiert hatte, leistete er auch für den Neusatz des Gebietes Deutsches Reich Mi.-Nr. 31-52 im MICHEL Deutschland Spezial-Katalog, der im Jahre 2000 verwirklicht wurde. Wir haben Gotwin Zenker als bescheidenen Menschen erlebt. Er war glücklich in seinem Reihenhaus im 12. Wiener Bezirk im Kreis seiner Familie und zwischen all seinen geliebten Briefmarken. Zum Leben brauchte er außer einer großen Überseereise, die er sich mit seiner Frau über eine Reihe von Jahren gönnte und über die er Stunden hinweg hochinteressant zu erzählen wußte, nicht besonders viel. Das führte dazu, daß er ab 1983 seine Prüfeinnahmen dem INFLA-Berlin e. V. zur Verfügung stellte. Angesammelte Mittel, die nicht für den Vereinsbetrieb benötigt wurden, konnte INFLA-Berlin e.V. im Jahre 1994 in eine Stiftung einbringen, die sich der Förderung der Herausgabe philatelistischer Literatur widmet. Seit Bestehen der Stiftung konnte diese „Gotwin-Zenker-Stiftung“ beträchtliche Zuschüsse für die Herausgabe von Literatur gewähren. Es sei daran erinnert, daß auch unser im vorigen Jahr herausgegebenes „PFENNIG-Handbuch“ mit erheblichen Mitteln unterstützt wurde. Es erstaunt nicht, daß ein solches philatelistisches Wirken mit einer Reihe von Auszeichnungen bedacht wurde. In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde er mit der Ehrennadel in Gold des Verbandes Österreichischer Philatelistenvereine, der Ehrennadel in Gold des Bundes Deutscher Philatelisten e.V., der Kobold-Medaille, das ist die höchste Auszeichnung, die der Verein INFLA-Berlin e. V. zu vergeben hat, der Verdienstnadel in Vermeil des Bundes Deutscher Philatelisten e. V. für Verdienste um die Philatelie, dem Sieger-Preis für Philatelistische Literatur und dem Köhler-Preis für Verdienste um das Prüfwesen geehrt. In den letzten Jahren wurde es ruhiger um Gotwin Zenker. Dies lag nicht an der eingestellten Prüfertätigkeit, nein, er hatte noch viele Kontakte und arbeitete auch, so lange es ging, im Vorstand der Stiftung mit. Auch war er nach Beendigung der aktiven Prüfertätigkeit noch Seniormitglied im Prüferbund. Aber ab dem Jahre 2000 war es ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich, Reisen zu unternehmen. Hatte er vorher schon geklagt, daß er doch recht weit hinten in Österreich wohnte, so wurden aufgrund des ärztlich verordneten Reiseverbots nun die persönlichen Kontakte weniger. Ihm war zuvor keine Reise zu weit und keine Mühe zu viel, um ein INFLA- oder ArGe-Treffen zu besuchen. Nach München oder Nürnberg kam er noch relativ schnell (dort war übrigens manche Nacht im „Hotel Mark“ bzw. „Hotel Reichshof“ sehr kurz), aber es machte ihm auch nichts aus, nach Köln, Wolfsburg oder Hamburg zu fahren. Ich erinnere mich an eine Begebenheit aus der Zeit, als er mich zum Prüfer für Mi.-Nr. 31-52 anlernte: Er war morgens gegen 6.3o Uhr mit dem Nachtzug aus Wien in Hannover angekommen und hatte in seinem Hotel Quartier genommen, in das er mich unmittelbar danach einbestellt hatte. Wir besprachen dort ca. 2 Stunden die Ergebnisse seiner letzten Testvorlagen an mich, bevor wir ca. um 9.oo Uhr zu Alfred Schaper† zu einem Treffen der Mitglieder der alten Arbeitsgemeinschaft Krone/Adler am Stadtrand von Hannover fuhren. Als ich ihn vor fast zwei Jahren letztmalig besuchte, war er trotz seiner Beschwerden guter Dinge und verkündete: „Ich werde auch noch 90!“ Wir hätten es ihm gewünscht, aber aufgrund der schon länger währenden Krankheit konnten wir, wie nun eingetreten, auch den Gedanken an ein früheres Ableben nicht außen vor lassen. Nun ist die Lücke entstanden; ein erfülltes philatelistisches Leben ist zu Ende gegangen, und nicht nur ich, sondern auch viele andere trauern um einen langjährigen Freund und Förderer. Von den fünf Gründungsmitgliedern der alten Arbeitsgemeinschaft war er der letzte. Wie in anderen Institutionen auch wollte er dort nicht in der ersten Reihe stehen, aber mit seinem Wissen und seinem Material hat er sehr viel bewirkt. Auch in unserer Arbeitsgemeinschaft „Krone/Adler im BDPh. e. V.“ hat er sich engagiert und uns viele Impulse vermittelt. Lieber Gotwin, wir, die wir Dich persönlich kannten, werden Deiner sicher oft gedenken. Du wirst für uns und alle anderen in Deinen Werken und Deiner Stiftung weiterleben. Manfred Wiegand, Göttingen |